Für Nico

Wir sind tief verbunden mit allem, was ist. In wiefern unser Leben im Einklang mit der Natur steht, bleibt in unserer eigenen Verantwortung. Wir können viel von ihr lernen. Denn die Natur lebt uns alles vor. Jedes Jahr können wir ihren Kreislauf beobachten, den sie durchwandert. Oft bleiben wir nur Beobachter, obgleich auch wir Bestandteil dieser Ordnung sind.

 

Manchmal stirbt auch eine junge Pflanze. Nicht immer können wir gleich einen Sinn erkennen. Auch wenn ein Kind stirbt, denken wir, ist dies wider die Gesetze der Natur. Aber können wir wahrhaft hinter die große Ordnung blicken, die dahinter steht? Selbst Teil der Natur vermögen wir nur einzelne Ausblicke zu erfassen.

 

Unsere Angst vor dem Tod entsteht aus einem mangelnden Vertrauen in unsere eigene Natur. Je tiefer wir uns der Natur verbunden fühlen, desto klarer liegt uns vor Augen, dass alles, was geschieht, einen tieferen Sinn in sich trägt. Vielleicht können wir ihn eines Tages besser verstehen?

 

Wir sollten wieder beginnen, uns mit der Natur zu verbinden, statt uns von ihr zu trennen, unseren Herzen und unserer Intuition folgen, anstatt allein dem Verstand zu gehorchen, denn manches spürt man bereits, bevor man es verstehen kann.

 

Nichts geschieht zufällig und schon gar nicht das Sterben. Im Grunde meint es das Leben gut mit uns, nicht das Schicksal ist entscheidend, sondern wie wir damit umgehen. Manchmal sind die Aufgaben, die uns das Leben stellt, nicht einfach aber wir bekommen immer wieder von Neuem eine Chance. Deshalb ist der Reichtum der Natur für mich der größte Trost im Schmerz um den Verlust meines Sohnes. Er erinnert mich immer wieder daran, dass nichts wirklich für immer vergeht. Wir müssen nur lernen, es anders wahrzunehmen.

 

Aus dieser tiefen Dankbarkeit heraus möchte ich wieder beginnen, mit den Pflanzen zu arbeiten. Es entsteht eine neue Begegnung mit den grünen Freundinnen, die mich immer umgeben und so gehe ich zuversichtlich weiter auf meinem Pflanzenweg Carpe florem!

Flor G. Schmidt